Handlungsfelder

Die „ZukunftsAllianz Arbeit & Gesellschaft“ fokussiert sich auf eine Auswahl von Handlungsfeldern, in denen sie mit unterschiedlicher Akzenten Inhalte aufarbeitet, Themen voranbringt und Maßnahmen initiiert.

1. Verantwortliche (Unternehmens-) Führung

Führung ist Dienstleistung für alle Stakeholder (Kunden, Mitarbeiter, Aktionäre, Eigentümer sowie die Gemeinschaft bzw. die Gesellschaft) und nicht nur Dienstleistung für den Aktionär oder Eigentümer. Unternehmensphilosophie und -steuerung müssen deshalb diesen Maßstäben der Orientierung an allen Anspruchsgruppen entsprechen. Eine gute Leitkultur in Unternehmen und Organisationen muss dies bekräftigen und absichern.

Deutschland kennt bereits erfolgreiche Wegweiser dieses Führungsverständnisses in Unternehmen jeglicher Größenordnung. Sie wissen aus direktester Erfahrung, dass ein Unternehmen durch das Vermögen seiner Mitarbeiter, die ihre Kompetenzen und ihre Motivation einbringen, bestimmt wird. Gerade mit einer solchen Haltung werden moderne Entwicklungen wie demokratische Kooperations- und Netzwerkstrukturen, Selbstorganisation, Führung auf Zeit, Strategieteilhabe und Beteiligung am Unternehmen lebendig und ausbaubar.

Alle Akteure des Systems Arbeit sind aktiv einbezogen als Co-Verantwortliche einer klugen Führungskultur, die die Wertschätzung der Menschen in Balance mit allen anderen Unternehmenszielen bringen. So werden abhängig Beschäftigte von heute die Treiber guter Führung und vielleicht sogar Co-Unternehmer von übermorgen sein.

2. Zukunft von Bildung, Wissenserwerb und Wissensaustausch

Die Durchdringung aller Lebensumfelder mit Informations- und Kommunikationstechnologie, disruptive Veränderungen in Technologien und Märkten sowie die Entwicklung hin zur Industrie 4.0 und Smart Services fordert uns heraus. Es erfordert hohe Medienkompetenz, zukunftsorientierte Formen des Lernens und vielfach sogar weitreichende Qualifizierung. Wissen und Können ist stetig weiter zu entwickeln und dies oft selbstverantwortlich und selbstgesteuert.

Die Beschäftigten und Beschäftigungssuchenden von heute – insbesondere auch Menschen mit bildungsärmerem Hintergrund und die Generation älterer Erwerbstätiger – brauchen die Bereitschaft ein Leben lang lernen zu wollen. Kluge und moderne Bildung befördert die eigene Kompetenzentwicklung und liefert mit dem Wissen den Rohstoff, mit dessen Hilfe Menschen Persönlichkeit entfalten, Potenziale entdecken und stärken können. Allerdings darf Bildung sich nicht ausschließlich auf formelle Lehrangebote reduzieren, wo Fach- und Methodenwissen oder explizite Kenntnisse vermittelt werden. Die angestrebten rein fachlichen Silos klassischer Bildungsinstitutionen müssen ergänzt werden durch Angebote zu informellem Kompetenzerwerb in allen Lebenssphären und der Weiterentwicklung der menschlichen Fähigkeit des kreativen Handelns.

Bildung jedweder Form muss heute im besonderen Maße die vielfältigen Gaben eines jeden Menschen wahrnehmen und stärken. Standardisierte Selektion auf Basis simpler Leistungsindikatoren beschränkt die Entfaltungsmöglichkeit des Einzelnen als auch unserer Gesellschaft insgesamt. Den Lehrenden fällt im Sinne von Lernprozessbegleitern eine besonders hohe Verantwortung zu. Sie schaffen die Grundlage für mündige, motivierte und selbstbestimmte Bürger und Beschäftigte sowie die Wissenskapitäne von Übermorgen.

3. Individualisierung und Vielfalt der Gesellschaft

Alle diese Veränderungen haben weitreichende Bedeutung für die Qualität der Arbeit in den Unternehmen und Organisationen wie auch für die Vereinbarung von Beruf mit privaten und anderen Lebenskontexten. Firmeninhaber, Unternehmensleitungen, Führungskräfte und Personalverantwortliche entwickeln sich zum Rahmengeber, Ermöglicher und Partner bei der aktiven Lebensgestaltung in beruflichen und außerberuflichen Lebenssphären. Wünsche und Forderungen nach Souveränität zu Zeit, Ort und Inhalt von Arbeit, Führen auf Zeit und Führen in Teilzeit werden selbstverständlich. Lebensphasenunabhängige Entwicklungs- und Karrierewege, längere Auszeiten und umfassende Serviceunterstützungen bei der Koordination unterschiedlichster Ansprüche sind Ausdruck dieser zunehmenden Individualisierung, besonders der jüngeren Generationen. Die Globalisierung von Wirtschaft und Gesellschaft verbunden mit Migrationsströmen - Immigration wie Auswanderung - beschleunigt den Trend zu höherer Vielfalt und Komplexität in der Arbeitswelt.

Die Arbeitswelt der Zukunft hat Raum, Chancenfairness, Perspektive und Wertschätzung für Unterschied und Vielfalt in allen Dimensionen zu ermöglichen. Dies wird durch Wertegerüste und -leitplanken zur Einbindung aller Beteiligten erleichtert. Durch das proaktive Aufgreifen all dieser Themen spiegelt das System Arbeit die vorhandene Vielfalt, die Individualität und die komplexen Lebensentwürfe in unserer Gesellschaft. Beschäftigte von heute werden Unternehmensbürger von übermorgen. Heute häufig ermüdete Bürger ebenso wie die um Integration Ringenden werden zukünftig „aktive Zivilisten“ im Spannungsfeld zwischen Subsidiarität und Solidargemeinschaft.

4. Demografischer Wandel, Generationen-Fairness und Einwanderung

Deutschland wird älter, viele andere Nationen nicht in diesem Ausmaß. Nur durch Wertschätzung aller Generationen, flexible Beschäftigungsangebote, breitbandige Lernchancen sowie ganzheitliches, insbesondere präventives Gesundheitsmanagement wird es gelingen, die Generationen erfolgreich und im Einklang mit ihren jeweiligen Bedürfnissen und Präferenzen im Arbeitsmarkt zu halten bzw. ihre Arbeitsmarkt- und Beschäftigungsfähigkeit zu sichern.

Alters- und alternsgerechte Maßnahmen für alle Generationen müssen heutiges und künftiges Handeln nachhaltig bestimmen, um die langfristige, dauerhafte Beteiligung aller zu ermöglichen und sicherzustellen. Nur so sind Verwerfungen am Arbeitsmarkt und in den sozialen Sicherungssystemen sowie einseitige Belastungen einzelner Gruppen bzw. deren gegenseitiges Ausspielen vermeidbar.

Derzeit erlebt Deutschland eine Zuwanderung ungeahnten Ausmaßes, darunter zunehmend Hochqualifizierte. Durch eine neue Qualität der Willkommenskultur in Gesellschaft und Unternehmen, durch Qualifizierungsbrücken und Qualifikationsanrechnung sowie durch Teilhabe-, Entwicklungs- und Karriereperspektiven kann ein zweiter Stützpfeiler für die Bewältigung des demografischen Wandel Deutschlands geschaffen werden: Talentmagnetismus nicht nur für eigene, sondern auch für internationale Talente, die internationale „Kreative Klasse“. Die Herausforderungen des Fachkräftemangels von heute werden die sozialen Innovationen des „Talent-Biotops Deutschland“ im Übermorgen sein.

 

5. Zukunftsfähigkeit durch Transformation und Innovation

Weltweit stehen ganze Volkswirtschaften, Branchen und Unternehmen vor Transformationsherausforderungen. Seit den 90er-Jahren des letzten Jahrhunderts galt die Devise: mehr, schneller, höher, weiter. Die letzten beiden Jahrzehnte waren - auch und gerade in Deutschland - Jahrzehnte der Effizienz- und Rationalisierungsinnovationen. Andere Volkswirtschaften, insbesondere die USA, die das „Digital House“ bauten, und Nationen wie China mit seinem „Maschinenhaus“ von hoher Qualität und Effizienz, sind Deutschland gefährlich nahe an die Fersen gerückt. Unsere Die deutsche Wirtschaft ist geprägt durch eine hohe Dominanz des Automobil-, Maschinen- und Anlagenbaus. Durch diese Pfadabhängigkeit haben wir bei vielen Basistechnologien der Zukunft wie der Informations- und Kommunikationstechnologie, der Biotechnologie und dem mobilen Internet Terrain Anschlussfähigkeit verloren.

Der Fokus von Industrie 4.0 auf die Digitalisierung von Anlagen und Produkten und nicht auf Smart Services, also der Entwicklung von Dienstleistungen aus den digitalen Räumen heraus, beschneidet nicht nur die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen auf den großen Innovationsfeldern sondern auch die notwendige Gründerkultur, aber auch die Arbeitswelt 4.0.

Für Politik, für Unternehmen, für die gesellschaftlichen Akteure heißt dies, Innovationen und Gründerszenen sowie entsprechende Arbeitswelten jenseits der Pfaddominanz tradierten Entwicklungen proaktiv zu fördern und zu begleiten. So kann eine ausbalancierte und dauerhafte Transformation von Unternehmen, Wirtschaft und Gesellschaft gelingen.

Souveränität, Autonomie, Zusammenarbeit, Solidarität, Demokratie und Vielfalt sind jenseits von Produktivität und wirtschaftlicher Wertschöpfung damit wichtige Merkmale kommender Arbeitskulturen. Das Schaffen (quasi exterritorialer) soziotechnischer Laboratorien und Prototypen sowie die Entwicklung technologischer wie kultureller Innovationscluster und Hot Spots werden dafür essentiell.